Vier Fäuste und ein Monsignore

Krieg der Magazine Wie sich Reporter von "profil" und "Format" für ein Interview mit einem polnischen Priester beinahe in die Goschen gehaut hätten.

Medien | Florian Klenk | aus FALTER 51/99 vom 22.12.1999

Bis Freitag war Monsignore Viktor Dudzinski wie vom Erdboden verschluckt. Nicht ohne Grund. Seit Anfang Oktober murmelt die kleine Gemeinde Aggsbach, wo Dudzinski als Priester tätig war, über die Veruntreuung von Spendengeldern. Seit vergangenem Montag wird der Würdenträger von der Interpol gesucht. Doch Dudzinski war nicht auffindbar. Ein flüchtender Würdenträger? Kurz vor Weihnachten? Tolle Geschichte.

Rainer Nikowitz (profil-Reporter) und David Pesendorfer (von täglich Alles abgeworbener Format-Reporter) machen sich auf die Reise ins polnische Städtchen Lodz. Beide sind schlau: Sie hatten erfahren, dass der Geistliche aufgrund eines Nierenleidens täglich in der Dialysestation des örtlichen Krankenhauses behandelt wird. Also lauern sie vor (Pesendorfer) und in (Nikowitz) dem Spital auf den Geistlichen.

Reporter Nikowitz sieht Dudzinski, gestützt von zwei Männern in Ärztekitteln, ins Spital kommen. Ein Arzt trägt eine Kamera um den Hals. "Das ist Ihre letzte Chance, die Wahrheit zu sagen", fleht der Arzt, der in Wirklichkeit David Pesendorfer ist. Nun tritt auch Nikowitz in Aktion, zückt seine Kamera, um Dudzinski zu knipsen. Das wiederum will Kollege Pesendorfer nicht zulassen. "Plötzlich pflanzt sich der vor mir auf, damit ich nicht fotografieren kann", erzählt Nikowitz. "Ich hab ihn deshalb mit Worten, die einem in der Gachen einfallen, geschimpft." - "Er sollte wissen, dass das Fotografieren in medizinischen Abteilungen nicht erlaubt ist", ätzt Pesendorfer zurück. Außerdem, versichert der Format-Reporter, hätte sich der profil-Mann als "Abgesandter Kurt Krenns" ausgegeben. "Schwachsinn!", sagt Nikowitz, "der Format-Fotograf hat sich als Solidarnocs-Freund des Priesters ausgegeben." Im Format reibt man sich die Hände: "Speed kills!" - "Das nächste Mal", sagt hingegen ein Kollege von profil, "stechen sie uns vielleicht noch die Reifen auf."


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige