Mehr als ein Mäuslein

Karl Kraus Das "Wörterbuch der Redensarten" zu Karl Kraus' "Fackel" ist mehr Lese- denn Wörterbuch und ermöglicht einen brauchbaren und durchaus auch lustvollen Zugang zum Opus magnum des Sprachkritikers.

Kultur | Sigurd Paul Scheichl | aus FALTER 51/99 vom 22.12.1999

Um Redensarten in die Akademie zu tragen: Man kann in dem monumentalen Buch manches Haar in der Suppe, aber keineswegs diese zu dünn oder gar Anlass zu einem "J'accuse" finden. Mit einem Wort: Das Werk hat Hand und Fuß.

Ein Wörterbuch in irgendeinem traditionellen Sinn darf man sich freilich von diesem "Textwörterbuch", wie es sich - zu Recht - mit einem neuen Begriff nennt, nicht erwarten. Hier liegt vielmehr ein Lesebuch aus Kraus' Fackel vor, gegliedert nach einem höchst originellen Gesichtspunkt: nach dem Vorkommen von festen Wortverbindungen, eben von "Redensarten".

Für eine solche Zusammenstellung reicht es keineswegs aus, die über 22.000 Seiten der Zeitschrift zu digitalisieren und sich dann auf Suchbefehle zu verlassen. Angesichts der oft abenteuerlichen Transformationen von Redewendungen in der Fackel - aus den schillerschen "Brettern, die die Welt bedeuten", werden beispielsweise "Lettern, die die Welt bedeuten" - können Suchbefehle nur helfen, kontrollieren und ergänzen,


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