Armer Attersee

Kunst Die Retrospektive, die Christian Ludwig Attersee derzeit im Palais Harrach zuteil wird, dokumentiert, wie aus einem interessanten Künstler ein mittelprächtiger Malerfürst wurde.

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 51/99 vom 22.12.1999

Schön war er in seiner Jugend. Ein wahrer Adonis. Das sieht man schnell in der Ausstellung "Attersee. Das gemalte Jahr. 1964-1999". Der chronologischen Abfolge der Bilderproduktion sind im Palais Harrach nämlich Künstlerfotos aus den jeweiligen Jahrzehnten beigefügt. Und die Sechziger werden eben durch ein Foto eingeleitet, das Christian Ludwig Attersee mit laszivem Schlafzimmerblick auf riesigen weißen Kissen zeigt. Attersee hat damals mehrere Zyklen mit fotografischen Selbstporträts geschaffen, auf denen er sich ähnlich wollüstig inszenierte. Auch die werden in der Ausstellung gezeigt. 1968 entstanden zum Beispiel "Attersee der Schwindelprinz" und "Kapitän Schön". Nackt bis auf die Stiefeletten, posiert er variantenreich auf einem Sofa oder im Künstleratelier, sein Geschlecht notdürftig mit einer Rose oder einem Fächer bedeckend. Onduliert wie der schwule Bayernkönig Ludwig II. oder feminin geschminkt, spielte Christian Ludwig Attersee damals kokett mit dem Androgynen. Es


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige