Standpunkt: Heimatkunde 2000

Politik | aus FALTER 02/00 vom 12.01.2000

Es hat sich ausgekalauert. Natürlich lassen sich allerlei lustige und auch weniger lustige Prüfungen für die Staatsbürgerschaft entwerfen, etwa jene im Schweizer Haus mit der Stelze, dem Bier und dem Revolver. Wers kennt. Egal. Seit Andreas Khols Traum in Erfüllung ging und die SPÖ zustimmte, eine Aufnahmeprüfung in die Alpenrepublik einzuführen, haben sich die Scherze aufgehört. Nicht genug, dass Österreich das restriktivste Staatsbürgerschaftsrecht Europas hat (mittlerweile hinter Deutschland) und noch immer daran glaubt, dass das Österreichertum eine Art Rhesusfaktor ist. Nicht genug, dass es abseits der Staatsbürgerschaft keine Mitbestimmungsrechte in diesem Land gibt. Nicht genug, dass außerhalb Wiens Wartezeiten jenseits von zehn Jahren Standard sind. Ganz pragmatisch betrachtet: Wie kommt jemand dazu, der in Österreich mit türkischer oder mit welcher Staatsbürgerschaft auch immer geboren und aufgewachsen ist, mit 18 Jahren einen Test über diesen Staat abzulegen? Sprachkenntnisse nachzuweisen? Wie wäre es zur Abwechslung damit, dass sich der Staat zu seinen Bürgern bekennt und nicht umgekehrt? Und zwar zu allen seinen Bürgern, zu denen auch gehört, wer die Republiksrepräsentanten nicht wählen kann. Aber der Republik scheinen ihre eigenen Mythen lieber zu sein.


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