5 Wochen für 1 Handy

Justiz Wie zwei bulgarische Studenten wegen eines Handys, das jemand anderer gestohlen hat, von Justiz und Polizei fünf Wochen in Haft gehalten, beleidigt und anschließend in einem kurzen Prozess freigesprochen wurden.

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 02/00 vom 12.01.2000

Es handelt sich um einen fatalen Irrtum", sagt Strafverteidiger Heinrich Keller. "Ja, ja, auch das gibt es", erwidert Richter Bruno Weis, "solange es nur nicht bei der Justiz passiert." In wenigen Minuten wird Weis die bulgarischen Wirtschaftsstudenten Petre P., 21, und Stefan P., 24, vom Vorwurf des gewerbsmäßigen Bandendiebstahls "glatt freisprechen".

Es ist ein ganz gewöhnlicher Alltagsfall, der da im Saal 312 des Wiener Straflandesgerichtes verhandelt wurde; die Beteiligten: zwei Bulgaren; ein gestohlenes Handy im Wert von ein paar tausend Schilling; zwei Pflichtverteidiger; ein gelangweilter Staatsanwalt.

Doch das Verfahren gibt Einblicke in den Alltag am Landesgericht für Strafsachen. Es zeigt, wie schnell unschuldige Menschen in das Netz des Verdachtes, Schwerverbrecher zu sein, eingesponnen werden, wie leichtfertig sie für Wochen ins Gefängnis wandern, und wie lange es dauert, sich daraus wieder zu befreien.

Seit fast zwei Jahren leben die WU-Studenten Petre P. und Stefan P.


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