Bedient: Ich kommen Wien

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 02/00 vom 12.01.2000

Grenzübergang Spielfeld. Ein Bus mit bosnischen Touristen. Der Bus wird auf einen Parkplatz gewunken. Alle müssen aussteigen. Grenzgendarm: "Gehts weida, wos is do, wos is, weidagehen. Kummts, kummts". An einem Kontrollschalter legen die Reisenden ihre Pässe vor. Zöllner tippt in den Computer: "Wie heißen dein Vater? Wie heißen dein Mutter? Woher kommen?" Reisender: "Ich kommen Wien. Du geben Dienstnummer."

Grenzübergang Breclav. Im Zug nach Prag. Grenzkontrollgendarm steht am Gang und raucht. Neben ihm eine Menge Touristen. Gendarm zu seiner Kollegin: "Letzte Wochen hamma an Neger gfülzt, die Neger san ma nimma Wurscht." Pause. "Übrigens, der Krowot von letzta Wochen, der war goa ka Krowot. Hot ka Wurt krowotisch gredt. " Südbahnstrecke. Zug nach Wien. Zwei Musiker, Maria und Youssef. Die Fremdenpolizei steigt in den Zug ein und kontrolliert Ausländer. Youssef zeigt seinen Reisepass mit gültigem Visum. Polizei: "Woher kommen Sie, was haben Sie dort gemacht? Gehören Sie zu der Musikerin neben Ihnen?" Youssef beantwortet alle Fragen. Polizei: "Was haben Sie da für ein Instrument? Haben Sie einen Meldezettel bei sich?" Die Polizei beginnt in den Taschen zu kramen. Sie nimmt den Reisepass mit, geht damit in ein anderes Abteil. Nach 15 Minuten: "Danke!" "Meine Empörung", schreibt Maria, "gilt nicht der Notwendigkeit polizeilicher Kontrolle, sondern der Art und Weise, wie sie passiert. Zum ersten Mal schämte ich mich, eine unauffällig aussehende, inländische Bürgerin dieses Landes zu sein."

Recht braucht Kolumne. Schreiben Sie an "Falter, Bedient", Marc-Aurel-Straße 9, 1011 Wien, Fax 536!60-12, E-Mail: klenk@vienna.at.


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