Kunst kurz

Kultur | Vitus H.Weh | aus FALTER 02/00 vom 12.01.2000

Max Weiler Alle reden von Cezanne, aber mit ihm ist die Entwicklung der Malerei ja nicht stehen geblieben. Einer der hierzulande wichtigsten und eigenständigsten Erben Cezannes ist der 1910 in Hall i.T. geborene Max Weiler. Aus Anlass seines 90. Geburtstages ist im Künstlerhaus noch bis zum 6. Februar eine große, höchst sehenswerte Retrospektive seiner Malerei zu sehen. Weilers Verwandtschaft mit Cezanne zeigt sich besonders auffallend in der beiden eigenen gedeckten Farbigkeit (hier Eitempera, da Aquarell mit Öl), andererseits in der ähnlichen mosaikartigen Bildstruktur. Was aber alles zwischen Cezanne und Weiler passiert ist, lässt sich gut an den "Neuen Landschaften" ablesen, denen sich Weiler seit den Siebzigerjahren widmet. Auf diesen riesigen Breitformaten schwirren die Farbflecken herum, als hätte ein Vertreter des amerikanischen Abstrakten Expressionismus mit einem französischen Informellen "get together" gespielt - ziemlich beeindruckend. Mein Lieblingsbild heißt übrigens "Ganz rechts lebendige Natur" (1973).

Öffentliche Erregung So anerkannt wie heute waren die Bilder von Max Weiler nicht immer. Tatsächlich verursachten seine 1945-47 gemalten Fresken in der Innsbrucker Theresienkirche auf der Hungerburg sogar den größten Kunstskandal in der neueren österreichischen Kunstgeschichte. Weil Weiler die Kreuzigungsszene mit Tiroler Schützen resp. Bauern in der Rolle der römischen Soldaten dargestellt hatte, herrschte Aufruhr im heiligen Land, der wegen angeblicher "Herabwürdigung des Bauernstandes" bis vor Gericht führte. Die Congregatio Concilio im Vatikan verfügte schließlich die Verhängung der Fresken.

Im Rahmen der Weiler-Retrospektive, die auch die Vorstudien zu seinen öffentlichen Werken zeigt, gibt es am 13.1., 19 Uhr, in der Aula der Akademie für bildende Künste einen Round Table. Zum Thema "Erregung Kunst - Kunst im öffentlichen Raum" sprechen unter anderem Egon Kapellari, Christian Muhr, Irene Nierhaus und Georg Schöllhammer.


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