Warten vergessen

Seinesgleichen geschieht Über das Warten auf eine Regierung - und über Zusammenschlüsse überhaupt.

Vorwort | Armin Thurnher | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

Die Republik der Sondierer wurde zur Republik der Abwarter. Alle warten; bei Klestil brennt noch Licht im Stübchen, er hat seine Termine abgesagt und harrt der erlösenden Meldung vom Ballhausplatz. Dort wiederum warten die Journalisten und dösen im Steinsaal; sie sammeln ihre Kräfte, um Kolumnen über das Warten zu schreiben und darüber, dass sie es nicht mehr aushalten. In der Stadt spielt man Beckett. Im Gedächtnis poppt der Titel eines Textes von Maurice Blanchot auf: "Warten Vergessen".

Klestil hat das Wartespiel gewonnen. Aber er geht noch einmal unverrichteter Dinge nach Hause. Das große Warten geht weiter. Erst muss das Regierungs-Ja wirklich kommen. Das ist so wie früher, da wird nicht gleich erhört, da muss man schon ein bisschen hartnäckig sein können. So was kann die ganze Nacht dauern, wer vor dem Morgengrauen aufgibt, kann nicht erlöst werden. Dann geht erst recht das große Warten los, auf den nächsten Wahltag, die nächste Umfrage, den nächsten Erscheinungstag


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