Die Bilderstürmer

Medienrecht Erstmals haben "Kronen Zeitung", "News" und "Kleine Zeitung" ein Foto eines einer Straftat verdächtigten Jugendlichen publiziert. Möglicher Anlass: Der Menschenrechtsgerichtshof hat Österreich soeben wegen eines Bilderverbotes verurteilt.


Florian Klenk
Medien | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

Es war wieder einmal ein Tabubruch. Kaum wurde bekannt, wer von der Polizei verdächtigt wurde, die Brände in St. Georgen gelegt zu haben, knallte die Kronen Zeitung das Foto des 16-jährigen Mitgliedes der Dorffeuerwehr auf das Titelblatt. "Das öffentliche Interesse an dem Bild war zu groß", rechtfertigte Krone-Reporter Claus Pandi die Verwendung des Bildes in einer Kolumne mit der Überschrift "Informationspflicht". Grammatikalisch holpriger Nachsatz: "Sollte uns dennoch ein Prozess gemacht werden, würden wir das als Angriff auf die Pressefreiheit verstanden wissen." Auch News und die Kleine Zeitung setzten die Fotos des Jugendlichen ins Blatt.

Der Fall liegt mittlerweile beim Presserat, der Ende Jänner entscheiden wird. Vielleicht liegt er auch bald beim Mediengericht. Denn das Publizieren von Fotos minderjähriger Verdächtiger galt in Österreich bisher als absolut unzulässig. Das Medienrecht schützt ausdrücklich die Identität von verdächtigen Jugendlichen. Nur ein besonderes

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