Man wurde nicht gefragt

Essay Geschichten vor dem Hintergrund des Dritten Reichs gibt es genug. Wenn man sich also des Themas des jüdischen Exils annimmt, muss man sich fragen, wie sich - noch dazu aus der Sicht eines "Nachgeborenen" - davon erzählen lässt, ohne bloß Rührseligkeit zu produzieren oder zu bestätigen, dass die Guten gut und die Bösen böse sind.

Kultur | Norbert Gstrein | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

Vielleicht sollte ich mit dem Erschrecken darüber beginnen, mich mit meinem neuen Roman "Die englischen Jahre" auf das Thema eingelassen zu haben, das Thema Exil, das, ob man es will oder nicht, in der Geschichte dieses Jahrhunderts zuallererst ein jüdisches Thema ist. Solange ich daran gearbeitet habe, bin ich nie das Gefühl losgeworden, ich müsste mich dafür rechtfertigen, dass ausgerechnet ich mich seiner annehme. Womöglich aber braucht es gar keine Rechtfertigung, und trotzdem drängt es mich, anzumerken, dass es mir nicht darum gegangen ist, nur eine weitere Geschichte vor dem Hintergrund des Dritten Reichs zu erzählen, eine düstere Geschichte, ohne Zweifel, eine rührselige vielleicht. Das meiste, was man erzählen könnte, ist bekannt, auch wenn das für die Geschichte der Vertreibung der Juden immer noch weniger zutreffen mag als für die Geschichte ihrer Ermordung. Geschichten vor dem Hintergrund des Dritten Reichs, behaupte ich dennoch, gibt es genug, und ich fürchte


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