Blumige Spekulation

Sachbuch Wie in den Niederlanden die Tulpen zu spektakulär überbewerteten Spekulationsobjekten wurden - und was daraus zu lernen ist.

Kultur | Stefan Löffler | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

Wenn Wirtschaftsjournalisten vor überbewerteten Internet-Aktien warnen wollen, dann verweisen sie oft auf eine Geschichte, die sich vor über 360 Jahren abgespielt hat. Damals wurde in Holland mit Tulpen, Tulpenzwiebeln und sogar Teilen einzelner Gewächse spekuliert. Einige Exemplare der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich eingeführten Blumen erzielten damals höhere Preise als ganze Stadthäuser. Zeitgenössische Maler verdienten sich mit Tulpen-Katalogen ein Zubrot. Blumenbeete lockten Diebe und Spione.

Heute weiß man, dass die damals teuersten Züchtungen durch einen mittlerweile ausgerotteten Virus verursacht wurden, der die an sich robusten Berggewächse zwar schwächte, aber spektakuläre Färbungen hervorrief. Was bislang als gesichert galt - dass nämlich der fast hundertprozentige Preisverfall und zeitweilige Zusammenbruch des Tulpenhandels Holland in eine Rezession gestürzt habe -, darf aber getrost als Übertreibung abgelegt werden.

Nur wenige


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