Roll over Turgenjew

Literatur Mit "Salzwasser" hat Charles Simmons einen wunderbaren kleinen Roman über die Liebe geschrieben.

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

Erst unlängst hat der manische Romanleser Rolf Vollmann in der Zeit festgestellt, dass die meisten großen Romane mit ziemlich unspektakulären ersten Sätzen anfangen. "Salzwasser", der fünfte Roman von Charles Simmons, ist ein - zumindest dem Umfang nach - kleiner Roman und beginnt mit einem großen Satz: "Im Sommer 1963 verliebte ich mich, und mein Vater ertrank."

So ein Satz kann auch eine Hypothek sein, denn diese Art von lakonisch gebändigtem Pathos, in dem Eros und Thanatos nur durch einen Beistrich getrennt sind, muss man erst einmal durchhalten, die Erwartungen, die ein solcher zugleich gelassener und fulminanter Auftakt erweckt, erst einmal erfüllen. Und als ob das alles nicht genug wäre, hat sich der 1924 geborene Autor, der jahrzehntelang Literaturredakteur der New York Times war, gleich noch eine schwere Bürde auferlegt: Sein 1998 im amerikanischen Original erschienener Roman unternimmt nämlich nichts Geringeres, als Iwan Turgenjews berühmte "Erste Liebe" um 130 Jahre


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