Bernhards neue Kleider

Theater Verbesserungsfähig: Thomas Bernhards "Weltverbesserer" im Volkstheater.

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

An sich sind Menschen, die jahrzehntealte Inszenierungen für das Maß aller Dinge halten, ja des Theaters Tod. Aber wenn man den "Weltverbesserer" von Thomas Bernhard in der Bochumer Uraufführungsinszenierung (in einem Akademietheater-Gastspiel) gesehen hat, kann man das halt auch fast 20 Jahre später nicht vergessen. Und obwohl es bestimmt ungerecht ist, Wolfgang Hübsch mit Bernhard Minetti zu vergleichen, lässt es sich leider nicht vermeiden.

Die Volkstheater-Premiere wurde mit Spannung erwartet: Abgesehen von Dramoletten war in Wien noch nie ein Stück von Thomas Bernhard zu sehen, bei dem nicht Claus Peymann Regie geführt hatte. Die altmeisterlichen Modellinszenierungen des Alt-Burgtheaterdirektors (zuletzt: "Vor dem Ruhestand", 1999) waren so prägend, dass der Autor für neue Lesarten schon verloren schien. Im vergangenen Herbst bewies Peymanns früherer Assistent Philip Tiedemann dann im Stadttheater Klagenfurt, dass die Sorge unbegründet war: In "Der Ignorant und der Wahnsinnige"


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