Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

Abgesehen davon, dass sie ihren Mann in einen Häcksler gesteckt hat, ist Mechthild Magda Huschke eine ganz normale Frau. Sie sehnt sich nach Liebe oder wenigstens nach gutem Sex und hat auch im fortgeschrittenen Alter die Hoffnung nicht aufgegeben, einmal dem Richtigen zu begegnen. Mit dem Monolog "Nichts Schöneres" wird zum ersten Mal ein Stück des bemerkenswerten deutschen Dramatikers Oliver Bukowski in Wien gespielt, und es ist zu hoffen, dass die Aufführung im dietheater Konzerthaus den Bann gebrochen hat. Zu entdecken ist an diesem Abend aber nicht nur ein interessanter Autor, sondern auch eine tolle Schauspielerin: Alexandra Sommerfeld ist zwar nicht ganz unbekannt, hat aber vielleicht noch nie so viel zeigen können wie hier. Regisseurin Sabine Mitterecker hat dazu eine stringente, auf Künstlichkeit bedachte Inszenierung gebaut, die erst ganz zum Schluss - wenn das Stück haarscharf an der Tragödie vorbeischrammt - an ihre Grenzen gerät.

In zwei anderen Theatern sind derzeit berühmte Dichter zu Gast: In der Drachengasse begegnet die schwedische Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf (Bigi Fischer) anlässlich der Verfilmung eines ihrer Romane einer hysterischen Schauspielerin (Katharina Stemberger) und lässt sich von dieser aus der Reserve locken. Was dabei herauskommt, ist aber ebenso dünn wie die Auslassungen über das "Wesen" der Kunst, denen Per Olov Enquists Stück "Die Bildermacher" seinen Titel verdankt. In der Gruppe 80 spielt Rainer Frieb einmal mehr einen prominenten alten Mann: Arthur Schnitzler tapst durch seine Villa, grapscht nach seiner Übersetzerin, tyrannisiert seine Sekretärin, stöbert nach Erinnerungen und kann mit seinem Freund Hugo von Hofmannsthal, dessen Sohn gerade Selbstmord begangen hat, wenig anfangen. Fazit: "Späte Worte" von Michaela Ronzoni wurde uraufgeführt. Offen bleibt die Frage, was Rainer Frieb einmal spielt, wenn er alt ist.


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