Maden in der Discokugel

Musik Ihr kommender Auftritt in Wien könnte eine der letzten Gelegenheiten sein, die Pet Shop Boys als das einzige in ungebrochener Kontinuität bestehende Synthpop-Phänomen der Achtziger zu erleben.

Kultur | Robert Rotifer | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

Nichts Außergewöhnliches - so lautete das einhellige Urteil der abgeklärten Pop-Rezeption, als letztes Jahr das neue Pet-Shop-Boys-Album "Nightlife" erschien: refrainlastiger Synthpop mit reichlich Dance-Appeal und melancholischem Einschlag, dieselbe alte Sause eben.

Doch wie so oft hörten die geschulten Ohren leichtsinnig darüber hinweg, was unter der radiofreundlichen Oberfläche von "Nightlife" vor sich ging. Die erste Nummer des Albums, "For Your Own Good", mochte von ihrem populistischen Technobeat her wie eine akustische Postkarte vom Ibiza-Urlaub klingen, textlich aber trug sie die leisen Vorwürfe des zu Hause gebliebenen Adressaten in sich, der gedankenverloren das sonnige Foto der barbusigen Schönheit mit dem Eisstanitzel zwischen den Brüsten an die Kühlschranktür heftet.

"Zu deinem eigenen Wohl, ruf mich heute abend an", singt die verhallte Stimme Neil Tennants suggestiv ins Ohr des entrückten Abtänzers, "das Leben ist nicht einfach. Warum bleibst du nicht bei dem Geliebten,


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