Stadtrand: Kusch, Harry!

Stadtleben | aus FALTER 03/00 vom 19.01.2000

Hallo. Ich bins. Deine Gebührenzahlerin.

Weißt du, ich halte das schon für eine ziemliche Kompetenzüberschreitung deinerseits, dass du - mein treuer Fernseher - plötzlich wagst, mich persönlich anzusprechen. War unsere Aufgabenverteilung nicht eindeutig geklärt? Du lieferst Bild und Ton, ich unterhalte mich.

Jetzt beginnst du plötzlich Ansprüche zu stellen. Ich soll dich anmelden, ich soll dich Harry nennen. Und vielleicht soll ich mit dir auch noch ein bisserl spazieren gehen?

Ich will dir jetzt einmal etwas sagen: Ich war am Postamt. Ich habe - wie du mir geraten hast - gesagt: "Guten Tag, ich möchte Harry, meinen Fernseher, anmelden." Wie, glaubst du, haben die reagiert? Nach zehn Minuten waren die endlich wieder so weit, dass sie ganze Sätze geschafft haben. "Sie nennen Ihren Fernseher also Harry", hat der eine gekudert. "Komisch", hat der andere gehechelt, "Sie sind heute schon die Vierte, die ihn so getauft hat."

Lieber Harry, wie würde es dir gefallen, vor allen Leuten ausgelacht zu werden? Stimmt, das kannst du dir nicht vorstellen, wir führen ja eine monogame Zweierbeziehung.

Also bitte: Konzentriere dich auf deine Arbeit, lass dir vom ORF keine Flausen in die Schaltkreise setzen und - halts zsamm! S. N.


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