Vor 20 Jahren im Falter

Zur bevorstehenden Kündigung von zehn Schauspielern des Ensembles "Die Komödianten" machte sich Mischa Jäger wütend Luft in dem Artikel "Die jährliche Sauerei hat Format".

Vorwort | aus FALTER 04/00 vom 26.01.2000

Am 21. Dezember 1979 wurden die 16 Mitglieder des Ensembles "Die Komödianten" von ihrem Chef Conny Hannes Meyer durch ein formloses, am schwarzen Brett ausgehängtes Schreiben davon in Kenntnis gesetzt, dass er, Meyer, elf Jahresverträge in der kommenden Saison nicht mehr verlängern werde.

Anfang Jänner sandte das Ensemble einen offenen Protestbrief an Presse und Subventionsgeber, in dem die "Rücknahme aller Kündigungen" sowie ein "Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen" gefordert werden.

Zwei Wochen später einigen sich Stadtrat Zilk und Direktor Meyer in einem "klärenden Gespräch" mit den Schauspielern auf folgenden Kompromiss: 1. Reduzierung der ursprünglich zehn Kündigungen auf fünf, 2. Konstituierung eines "beratenden Gremiums", das künftig in regelmäßigen Sitzungen alle künstlerischen, organisatorischen und ökonomischen Probleme besprechen soll.

3. Vorschlagsrecht für das Ensemble bei den noch offenen Kündigungen.Damit steht fest, dass sich an der rechtlichen Situation der Schauspieler grundsätzlich nichts ändern wird! Sie dürfen zwar künftig mitreden, aber nach wie vor nicht mitentscheiden.

Nichts könnte diese Regelung zynischer kommentieren als das Zugeständnis, dass die Schauspieler zwar nicht das Recht haben, Kündigungen zu verhindern, dafür aber vorschlagen dürfen, wens trifft, und zudem noch froh sein müssen, wenn der Vorschlag auch genehm ist. Kommentar Zilk: "Zehn sind ein bisserl viel, das ist unklug! So was macht man nur etappenweise ..." Da hat er Recht! "Man" macht es tatsächlich etappenweise, und bisher hat "es" auch immer klaglos funktioniert.

Zum Format von Conny Hannes Meyer fällt mir nichts ein (siehe nebenstehende Sauerei).

Zitate aus einem Gespräch zwischen einem ehemaligen Mitglied eines aufstrebenden Theaterkollektives und einem Ministerialrat: Mitglied: "Wir wollen demokratisches Theater machen." / Ministerialrat: "Lassen S' mich in Ruh damit, das macht eh der Meyer."


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