Dammbruch?

Inland. Österreich zwischen "Staatskrise" und "Schwarz-Blau".

Vorwort | Anton Pelinka | aus FALTER 04/00 vom 26.01.2000

Politik kennt Rationalität, die zur Irrationalität wird. Rational war, dass Wolfgang Schüssel wenige Wochen vor dem 3. Oktober 1999 mit seiner Oppositionsdrohung die letzten Reserven der ÖVP mobilisierte - ein bis zwei Prozentpunkte brachte diese Aussage. Irrational war, dass sich damit die ÖVP aus der Rolle katapultierte, die für sie eigentlich für den Tag nach der Wahl vorgesehen war - die des Züngleins an der Waage. Die ÖVP gewann einige zehntausend Stimmen; sie verlor - zunächst einmal - ihre strategische Mittelposition.

Kurzfristige Rationalität führte zu langfristiger Irrationalität. Nun haben Klestil und Klima, und erst recht Schüssel, das Nachsehen. Die anderen Akteure freilich können sich zurücklehnen - und abwarten.

Die ÖVP hat sich mit einer taktisch motivierten Aussage um die Früchte ihrer strategisch einmaligen Mittelposition gebracht. Gegen die ÖVP kann nicht regiert werden. Gegen wen die ÖVP dann aber opponieren will, ist von Anfang an im Dunkeln geblieben.


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