Mord auf Bestellung

Theatersport. Das improvisierte Theater boomt in Wien: Verschiedene Ensembles spielen auf Zuruf oder um die Wette. Das Ergebnis ist oft erstaunlich.

Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 04/00 vom 26.01.2000

Die Bühne ist ein leerer Raum. Im Lichtkegel vier Schauspieler, einer wippt mit seinem Turnschuh, eine andere nestelt am T-Shirt, alle schauen erwartungsvoll ins Publikum. Was werden sie auf die Frage nach dem Titel für eine Oper antworten? "La Rabiata!" schreit einer der Zuschauer. La Rabiata! Sekunden später klimpern die Musiker ein paar Takte, die entfernt nach "La Traviata" klingen, und eine der Schauspielerinnen röhrt mit grimmiger Miene: "Einsam bin ich, ohne Maahann." Während sie in ihrer Arie diesem Problem auf den Grund geht, ahnt sie noch nicht, dass im Hintergrund sich einer zum Prinzen berufen fühlt und ihr bald ein schüchternes "Dich zu freien bin ich hiiier" offenbaren wird, der seinerseits noch nicht weiß, worauf er sich da eingelassen hat: In den nächsten zwei Minuten wird er nicht nur einen Konkurrenten im imaginierten Schwertkampf erschlagen, er wird auch seine Mutter rücklings meucheln. Bei der Schlussarie steht dem Prinzen die Verblüffung über seine soeben


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