Stirb langsam

Theater. Das amerikanische Krankenhausmelodram "W;t" im Schauspielhaus: Puls schwach, Witz lahm.

Kultur | Karin Cerny | aus FALTER 04/00 vom 26.01.2000

Wissen kann eine sehr einsame Sache sein", sagte Margaret Edson in einem Interview. Bei den Figuren ihres Krankenhausmelodrams "W;t" würde sich Edson damit bloß lächerlich machen: Besonders geistreich oder gewitzt ist dieser Gedanke nämlich nicht.

Die Krebspatientin Vivian Bearing, deren chemotherapeutischen Leidensweg wir in "W;t" miterleben, ist Universitätsprofessorin für englische Lyrik des 17. Jahrhunderts, und auf Witz und Verstand legt sie den allergrößten Wert. Sie ist Spezialistin für die geistlichen Sonette des Renaissancedichters John Donne. Und Donne - so wird das Stück nicht müde zu erklären - war in Sachen wendiger Witz der unerreichte Champion seiner Zeit; er hatte die Fähigkeit, Einfaches äußerst kompliziert zu machen. Im Krankenhaus wird für die strenge und kühle Professorin letztendlich alles sehr einfach; sie ist nun die Schülerin und muss lernen, wie es ist zu leiden. Ihr gut trainierter Verstand hilft ihr hier nur mäßig - es wird Zeit für Güte.

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