Cezannes Mut zur Lücke

Kunst. Die Wiener Ausstellung macht Cezannes Schritt in die Moderne - die Eliminierung des Subjektiven zugunsten einer eigenen Bildgesetzlichkeit - nachvollziehbar.

Kultur | Inge Podbrecky | aus FALTER 04/00 vom 26.01.2000

Eine kühle Palette; Flecken, die einander manchmal überlagern, dichte, unregelmäßige Strukturen formen und an manchen Stellen ganz ausbleiben. Keine Linien, sondern Gegenden von Linien, die die Bildgegenstände in einen Raum binden. Der Raum hat nichts mit dem der Perspektive zu tun; er legt sich über den Bildgrund wie ein Schleier, unter dem die Gegenstände einmal mehr, einmal weniger hervortreten. Der sentimentale Betrachter sucht vergeblich nach einer Reibungsfläche, denn hier herrscht ein stimmungsloser Zustand. Cezannes Bilder enthalten sich jeglicher Psychologisierung; über die Motive und Modelle wird nichts erzählt.

Cezannes Malerei ist eine Kunst der Verweigerung und des Aufgebens: Verzichtet wird auf die Tradition der geschlossenen Bildfläche, auf die expressive Qualität der künstlerischen Handschrift, auf die Subjektivität des Malers ganz allgemein. Das klingt sperrig und ist es auch. Aber nach diesem konsequenten und expliziten Bruch ist in der Kunst kein Stein mehr


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