Comandantina Dusilova: Finis Miraculorum

Stadtleben | aus FALTER 04/00 vom 26.01.2000

Es gibt Morgen, an denen grenzt alles an ein Wunder. Kein Telefongefiepe (moderne Telefone klingeln nicht mehr, sie fiepen) hebt mich aus den Federn, sondern bloß das kehlige Krächzen russischer Krähen. Aus der MeindlDose duftet es schonungslos und ausreichend nach aromatischem Alvorada, auch die Tirol-Milch hält, was ihr Wiener Ablaufdatum verspricht. Die wichtigsten Bedingungen für eine genussreiche Prä-Breakfast-Tasse Kaffee sind erfüllt, so was grenzt an ein Wunder. Wieso grenzt es nur daran? Warum ist es nicht schlicht das Wunder selbst? Muss es immer nur grenzen, haben wir kein Anrecht auf das Wunder an sich? Muss ein Eisfleck - wie das erst unlängst in Mexiko passierte - erst das Gesicht der Madonna zeigen, damit bei den Gläubigen die Birne durchknallt? Genügt es nicht, im Eis selbst das Wunder zu erblicken? (Beiläufig möchte ich erwähnen, dass mir in Eisflecken erst unlängst die Heiligen Antonius und Hyppolit, in solchen aus Himbeersaft Idi Amin und in einer tomatensaftfleckigen Papierserviette schon vor längerem das Profil Angelika Hagers erschienen sind.) Also aufgepasst, hochgeschätzte Mexikaner, lieber heiliger Vater und liebe österreichische Sportreporter: Wunder ist, wenn bei mir das Telefon nicht fiept. www.geocities.com/Pentagon/4404


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