Mein Gulda

ABSCHIED. Vorige Woche starb der österreichische Pianist Friedrich Gulda. Nachrufe hat er sich verbeten; so bekommt er nun allerorts persönliche Erfahrungen nachgerufen. Auch hier.


ARMIN THURNHER
Kultur | aus FALTER 05/00 vom 02.02.2000

Letzte Woche hat mich Friedrich Gulda besucht. Im Fernseher plätscherte ein Fußballspiel, Galatasaray Istanbul gegen Schalke 04. Der einzige Grund, warum es meine Aufmerksamkeit überhaupt für mehr als drei Sekunden fesselte, war die Mitwirkung des Spielers Feldhofer, der meines Wissens bei Sturm Graz unter Vertrag steht; von einem Transfer hatte ich, ein aufmerksamer Beobachter der Transferbörse, nichts gelesen. Als der Moderator erklärte, Schalke habe im Trainingslager so viele Verletzte gehabt, dass Trainingsnachbar Sturm Graz mit Spielern ausgeholfen habe, stellte ich den Fernseher ab und ging zum Plattenregal.

Ich erzähle diese Vorgeschichte auch mir selbst, damit, was dann geschah, einen zeitlich überprüfbaren, realen Rahmen erhält (obwohl, wie real ist der ausgeborgte Feldhofer im türkischen Trainingscamp, live und lustlos auf einem gottverlassenen Sportkanal?). Jedenfalls wollte ich Bach hören, das "Wohltemperierte Klavier". Ich dachte nicht einmal über eine CD nach.

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