Keine Schnörkeleien

MUSIK. Synagogenmusik im Originalklang: Oberkantor Shmuel Barzilai singt Werke seines einst legendären Vorgängers Salomon Sulzer.

CARSTEN FASTNER | Kultur | aus FALTER 05/00 vom 02.02.2000

Salomon Sulzer war eine Integrationsfigur im Wiener Kulturleben, ein Reformator mit weltweiter Wirkung, ein produktiver Komponist, hervorragender Ensembleleiter und gefeierter Sänger samt Starallüren. Und obwohl "seine Kunst (...) nur für den speciellen Zweck des Gottesdienstes dient", meinte der legendäre Musikkritiker Eduard Hanslick in seiner Laudatio zum 40-jährigen Amtsjubiläum des Wiener Oberkantors in der Neuen Freien Presse, "darf man behaupten, dass ganz Wien sich in dem Augenblick für den Ehrentag des ,alten Sulzer' interessiert".

Das war 1866. Heute ist der 1804 in Hohenems in Vorarlberg geborene Sulzer außerhalb der jüdischen Gemeinden in aller Welt nur noch wenigen Fachleuten ein Begriff. Und das oft weniger aufgrund seines eigenen Werkes als vielmehr wegen seiner Freundschaft zu Franz Schubert und dessen Beitrag zu Sulzers Hauptwerk: Für die zweibändige Liedersammlung "Schir Zion" ("Lieder Zions") vertonte Schubert, in der Erstausgabe sogar anonym, den 92. Psalm.

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