SPIELPLAN

Kultur | C.FASTNER/W.KRALICEK | aus FALTER 05/00 vom 02.02.2000

Märchenstunde in der Kammeroper: Ausgerechnet Wiens kleinstes Opernhaus traute sich, einen Kompositionsauftrag zu vergeben - derzeit eine eher seltene Tugend. Schade also, dass Jan Müller-Wielands Vertonung der frühen Hofmannsthal-Novelle "Das Märchen der 672. Nacht" wie die meisten Märchen vor allem zu einem taugte: zum Einschlafen. Geriet die musikalische Untermalung der Geschichte eines weltentrückten Kaufmannssohnes (F. Boesch) ausschließlich mit Perkussions- und Streichinstrumenten zu Beginn zumindest klanglich interessant, liefen sich Müller-Wielands Einfälle, dem symbolgeschwängerten Libretto von Gattin Birgit unterworfen, spätestens mit der Ermordung des Protagonisten über eine halbe Stunde vor Ende der knapp 90-minütigen Oper tot. Den folgenden Abgesang konnten die tadellosen Sänger und das präzise Orchester unter Alexander Drcar genausowenig retten wie die klare, videounterstützte Ausstattung von Christian Schmidt und Werner Heinrichmöllers unprätentiöse Inszenierung.

Geisterstunde in den Kammerspielen: Mitten im Winter wird in der (bestens geheizten) Komödien-Dependance der Josefstadt Sommertheater gespielt. In einer "Inszenierung" von Elfriede Ott stehen zwei Einakter von Johann Nestroy auf dem Programm: Im eher unbekannten "Zeitvertreib" kann man Alexander Waechter in Frauenkleidern und zahlreiche junge Josefstadt-Schauspielerinnen in Unterwäsche bewundern; in der populären Posse "Die schlimmen Buben in der Schule" ist fast die gesamte Komikerriege der Josefstadt - von Ossy Kolmann bis Fritz Muliar, von Kurt Sobotka bis Teddy Podgorski - in kurzen Hosen zu erleben. Für einen Kritiker, der in den Kammerspielen nur alle paar Jahre vorbeischaut, hat der Abend einen gewissen exotischen Reiz; die vernichtenden Kritiken der Kollegen in den Tageszeitungen lassen allerdings darauf schließen, dass das Niveau hier normalerweise höher ist. Aber wer sich das anschauen will, braucht vermutlich sowieso keine guten Ratschläge.


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