Schwere Sprache

LITERATUR. Dramatiker als Prosa-Autoren: der erste Roman von Thomas Jonigk und frühe Texte von Werner Schwab.

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 05/00 vom 02.02.2000

Das männliche Glied ist ein bemerkenswertes Körperteil", findet Martin, und zumindest dagegen lässt sich schwerlich etwas einwenden. Martin ist 19 Jahre alt, gelernter Einzelhandelskaufmann, schwul und der Held von Thomas Jonigks Debütroman "Jupiter". Der 1966 in Norddeutschland geborene Autor trat Mitte der Neunzigerjahre mit drei in rascher Folge uraufgeführten Theaterstücken an die Öffentlichkeit, die mit grotesker Situationskomik und verspieltem Sprachwitz überzeugten und den jungen Autor über Nacht in die Nähe von arrivierten Kollegen wie Elfriede Jelinek oder Werner Schwab katapultierten. Jonigk aber geriet in eine Schreibkrise und übersiedelte nach Wien, wo er (bis zum Frühjahr 1999) als Dramaturg und Regisseur am Schauspielhaus arbeitete - und seinen ersten Roman schrieb.

Wie in seinen Stücken versucht Jonigk auch in "Jupiter" ein einfaches Thema - in diesem Fall: sexuelle Gewalt in Hardcore-Dimensionen - formal zu überhöhen. An die Stelle von kunstvollen Wortspielen


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