Comandantina Dusilova: Luzifer Rising

Stadtleben | aus FALTER 05/00 vom 02.02.2000

Irgendwie werde gerade Geschichte geschrieben. Das zeige sich nicht zuletzt an einem neuen Umgang mit Journalisten, meinen bürgerliche Kommentatoren voll entfesselter Zuversicht. Ja, Marantjosef, sogar Kipferl und Krapfen gäbe es, berichten die Verblüfften staunend! Hätte man Tee und Kaffee bisher schal aus billigen Tassen schlürfen müssen, so dampfe er jetzt frisch und froh aus hochpoliertem Republiksporzellan. Und drinnen, hinter Parlamentstüren, so transparent wie nie, würde endlich und zügig verhandelt werden - professionell natürlich und gut vorbereitet, transparent, nicht durchsichtig. Im neuen Stil, mit Kipferl und Krapfen. So bürgerlich beginnen nur Albträume. Eine Technik, durch die Abgründe des Angstschlafs zu navigieren, ist das luzide Träumen. Dämonen begegnet man mit der simplen Frage "Wer bist du?". Damit kann man Dämonen so furchtbar wütend machen, dass sie vor Zorn zerspringen. (Dämonen haben ja meist nur eines im Sinn: beachtet zu werden.) Zu dieser Technik riet ich auch meinem lieben alten Companero Jacques Chirac, mit dem ich erst gestern ein längeres Telefonat hatte. Auch ihn plagten zur Zeit haiderianische Albträume, beichtete er. Ich empfahl die interrogatio absoluta: "Wer sind Sie, Jörg Haider?"


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