Vor 20 Jahren im Falter

... erschien eine Rezension über das Buch "Am Beispiel des Austromarxismus" von Peter Kulemann. Am Beispiel des Austromarxismus Der Austromarxismus aber erwies sich zu oft als Philister, der den einen oder anderen Teil der Marxschen Theorie studierte, wie man Jus studiert, und von den Prozenten vom "Kapital" lebt. Im alten kaiserlichen, hierarchischen, betriebsamen und eitlen Wien titulierten die Marxisten einander wonnevoll mit "Herr Direktor". L. Trotzki

Vorwort | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Peter Kulemann stellte dieses Trotzki-Zitat an den Beginn der Zusammenfassung über den Austromarxismus vor 1914.

Kulemanns Untersuchung des Austromarxismus verdient Aufmerksamkeit. Aktualität erhält dieses Buch dadurch, dass Antworten auf die wichtige Frage nach der Hegemonie des Reformismus gegeben werden, also wie konnte die Sozialdemokratie eine Arbeiterschaft, die punktuell weit über ihre (der Sozialdemokratie) reformistischen Konzepte hinausging, bei der Stange halten. Und so kann man diese Untersuchung zugleich als Diskussionsbeitrag zur Entwicklung einer revolutionären Alternative verstehen.

Für Kulemann war die SDAP weder vor 1934 noch vor 1914 eine revolutionäre Partei.

1888 wird das Programm der österreichischen Sozialdemokratie beschlossen, und zerfällt in zwei Teile: in ein Minimal- und ein Maximalprogramm. Letzteres gibt die Ziele und den Charakter der Gesellschaft an, das Minimalprogramm stellt einen Forderungskatalog nach demokratischen Freiheiten, Arbeiterschutzgesetzen etc. dar.

Für die Sozialdemokratie war das Minimalprogramm nur proklamativ das Mittel, mit dem man zum Sozialismus gelange. In der Praxis wurde der Stellenwert der Forderungen nie daran gemessen, ob sie in der Lage sind, die Massen an die Grenzen des gesell. Systems zu führen, sodass sie bewusstseinsmäßig oder praktisch darüber hinausschreiten.


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