Standpunkt: Kein Nachfragen

Politik | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Als Schüssel und Haider vergangenen Dienstag vor die internationale Presse traten, um ihren Pakt bekannt zu geben, drängten sich Dutzende Kameraleute auf einem schmalen Podest im hintersten Winkel des Saales. Nur der ORF durfte mit seinen in nächster Nähe aufgestellten Kameras live filmen. Ausländer bitte nach hinten. Die Bevorzugung des Staatsfunks illustriert den Umgang der neuen Koalition mit der kritischen Presse. Da verkündeten Schüssel und Haider fast dreißig Minuten ihren Pakt. Leerformeln, Präambeln, Stehsätze. Dann durften Fragen gestellt werden. "Kein Nachfragen", bat Wolfgang Schüssel prophylaktisch, "damit viele Journalisten drankommen können." Anstatt auf Haiders Entgleisungen und die internationale Isolation einzugehen, werden die gut positionierten ZiB1-Redakteure vor versammelter Weltpresse ständig nach dem Budget und den Pensionskürzungen fragen. Als sich endlich der Korrespondent des israelischen Radios mit einer kritischen Frage einstellte und nachhaken wollte, hatte Schüssel wieder "Kein Nachfragen" zu seinem Pressesprecher gemurmelt. Kein bevorzugter ORF-Journalist spricht Haider auf seine Vergangenheit an. Niemand stellt ihm die Frechheiten der letzten Tage entgegen. Es macht sich langsam bemerkbar, dass Österreich nur zwei Fernsehprogramme besitzt. F. K.


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