KARL-HEINZ GRASSER: Psycho, II. Teil

Politik | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Die Mienen der Beamten waren versteinert, einige Ältere hatten bei seinem Antrittsbesuch demonstrativ die Arme fest vor der Brust verschränkt: Karl-Heinz Grasser, mit zarten 31 Jahren nicht nur der Benjamin in der neuen Regierung, sondern überhaupt der jüngste Finanzminister der Geschichte, hat einige Brocken zu "derheben": 45 Milliarden muss sein Ressort heuer einsparen, um das Budget Brüssel-kompatibel zu machen, im kommenden Jahr sind es weitere 50. Dazu kommen eine leistungsfreundliche Steuerreform und Privatisierungen um 120 Milliarden. Viel persönliches Lobbying wird der Polit-Sprössling nicht nur bei den roten Staatsdienern im Finanzressort betreiben müssen, um diesen harten Aufgabenkatalog erledigen zu können.

Als stellvertretender Landeshauptmann hat der ehemalige Vorzugsschüler bundesweit zweimal aufhorchen lassen: Im Februar 1997, als Grasser eine Weisung gab, "öffentliche Aufträge nur noch an Baufirmen zu vergeben, die ausschließlich heimische Arbeiter oder Arbeiter aus EU-Ländern beschäftigen". Und 1998, als Grasser die Schelte des "Alten" für die Funktionäre beim Neujahrstreffen in Graz im profil mit den Worten "Jörg Haider ist zur Zeit nicht besonders motiviert" quittierte. In einer Krisensitzung wurde ihm daraufhin von Riess-Passer, Rumpold & Co ordentlich der Kopf gewaschen, daraufhin zog Grasser seine Aussage reumütig zurück.

Wenige Monate später wechselte der junge FPÖler in Frank Stronachs Magna-Konzernzentrale als Sprecher. Für seinen Job als Finanzminister bringt Grasser ein BWL-Studium mit. Aus Haiders früherer Zuckerbrot-&-Peitsche-Behandlung dürfte Grasser seine Lehren gezogen haben: Er hat sich ein Rückkehrrecht bei Magna gesichert. N. W.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige