ELISABETH SICKL: Die mit allen tanzt

Politik | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Bei der Wahl ihrer Tanzpartner war Elisabeth Sickl nie zimperlich: Kein Ball in Klagenfurt konnte so rot oder schwarz sein, dass die ehemalige FP-Umwelt-Landesrätin das Parkett gemieden hätte. Zum Leidwesen ihres Landeshauptmannes drehte Sickl dann auch noch mit dem einen oder anderen politischen Mitstreiter einen Walzer. Die neue Sozialministerin hatte auch im Landhaus keine Berührungsängste mit Politikern anderer Couleur, dort suchte sie stets Konsens statt Streit.

Die einstige Grün-Politikerin, durch ihr Engagement gegen das AKW Zwentendorf bekannt geworden, blieb in Kärnten ein politisches Leichtgewicht. Unter der Fuchtel Jörg Haiders konnte sie die Errichtung einer bereits mit allen anderen Parteien akkordierten Müllverbrennungsanlage in Arnoldstein nicht realisieren und kam deswegen schwer unter Beschuss. Ob ihr Handschlag künftig mehr Qualität hat, wird sich bei den heiklen Verhandlungen mit den Sozialpartnern erweisen. Zwar wanderte der bisherige Ressortbereich "Arbeit" zu Regierungskollegen Bartenstein, dennoch hat die ehemalige HAK-Professorin mit dem um zahlreiche Agenden erweiterten Sozialministerium (plus Jugend, Familie und Frauen) einen der härtesten Jobs im Kabinett Schüssel übernommen.

Bei ehemaligen Kollegen in Kärnten gilt die Neo-Ministerin zwar als Xenophobie-resistent, ihr Vorgänger und Nachfolger, SP-Landesrat und Tanzpartner Herbert Schiller, kann sich aber "nicht erinnern, dass die Elisabeth einmal einen der berühmten Jörgl-Sager korrigiert" hätte. Laut Format ist Sickls Adresse trotzdem der Stapo bekannt. Sohn Heinrich bekam braune Post geliefert: Neonazi-Propagandamaterial. N.W.


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