MICHAEL SCHMID: Der Mondmann

Politik | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Er lebt mit dem Mond", sagt man in der Steiermark über die Launen von Michael Schmid. Einmal sei er konziliant und verständnisvoll, dann wieder zynisch und untergriffig. Landeshauptfrau Klasnic etwa verspottet er gerne als "Wackelwaltraud". Auch Schmids politische Ansagen ändern sich mit den Mondphasen: "Ein Kanzler Schüssel kommt für mich nicht infrage", betonte er Anfang Jänner. Auch Ende letzten Monats war der nunmehrige Bundeskanzler für ihn noch ein "Feindbild". Nun ist der 54-jährige Schmid Infrastrukturminister im Kabinett Schüssel.

Welche Linie er als Verkehrsminister beim Thema Semmering Basistunnel fahren wird, weiß er noch nicht. Als Steirer war er bisher für den Bau. "Ich will beim Einstieg nicht gleich die erste Frage falsch beantworten", reagierte er in einem Radiointerview wenige Stunden vor seiner Angelobung schon vorsichtig.

1989 wechselte der Architekt in die Politik und einte die hoffnunglos zerstrittene steirische FPÖ. 1991 dachten ihm ÖVP und SPÖ das defizitäre und verschlampte Wohnbauressort zu, in der Hoffnung, er werde scheitern. Schmid bekam es jedoch in den Griff und stellte die ärgsten Missstände ab. Mit der Bauwirtschaft legte er sich freilich nicht an.

Schmid forcierte den modernen Wohnbau, privat gilt er als traditionsverbunden. Beim heurigen FPÖ-Neujahrstreffen wurde er als "einziger Blasmusik-Landesrat in Österreich" begrüßt.

Auch in Sachen Vergangenheitsbewältigung hat Schmid zwei Gesichter: Rechte Aussprüche hört man von ihm kaum. Laut Format überkommt es ihn eher beim Schreiben. In dem freiheitlichen Akademikerblatt Aula soll er unter Pseudonym seine ganz eigene Betrachtung der Vergasungen in der NS-Zeit verbreitet haben.E.W.


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