HERBERT SCHEIBNER: Zelig

Politik | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Als FPÖ-Wehrsprecher Herbert Scheibner in die Wiener Radetzkykaserne zum Präsenzdienst einrückte, war ein Kamerateam dabei. Die Offiziere hinter den grauen Mauern freuten sich über die Publicity: endlich ein Politiker, der die Wehrpflicht ernst nimmt. Allzu oft war Wehrmann Scheibner in seiner Dienststelle dann allerdings nicht anzutreffen. Parlamentarische Verpflichtungen eben.

Sieben Jahre benötigte Scheibner vom Wehrmann zum Verteidigungsminister. Eine Zeit, die er dank unzähliger Besuche auf Heeresschauen und Angelobungen zum Aufbau guter Kontakte zum Bundesheer nützte. Auch im Parlament galt der 37-Jährige stets als Bussibär der blauen Buberlpartie. Politiker von Schwarz bis Grün lobten Scheibner als "zivilisiert" und "sachlich".

Dass Scheibner auch Anpassungsfähigkeit besitzt, die an Woody Allens menschliches Chamäleon Zelig erinnert, fiel erst im Wahljahr 1999 auf. Als Wiener Spitzenkandidat trat er für die "Überfremdungs"-Plakate der FPÖ ein und schürte Ängste vor "schwarzafrikanischen Asylwerbern mit Designeranzug und Luxushandy". Dem Falter (16/99) klagte er, dass man in seinem Wohnbezirk Rudolfsheim-Fünfhaus "Fremder in der eigenen Heimat" sei.

Sekretär von Heide Schmidt, Organisator des Ausländervolksbegehrens, Klubobmann und jetzt Verteidigungsminister - Herbert Scheibner ist universell einsetzbar. Wie schon als Wehrmann, als er auch monotone Arbeiten stets mit Fleiß ausführte. Nach dem Abrüsten blieb der Wehrspezialist der Armee als Milizsoldat verbunden. Sein Vorgänger, Werner Fasslabend, dankte ihm unlängst für die Treue: Scheibner wurde zum Wachtmeister befördert.G.J


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige