Rechtsruck 2

RUNDFUNK Startet FM 4 mit einem Maulkorb? Nein, sagt die Chefin. Alles paletti.

Medien | EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Ich habe das dumpfe Gefühl, dass es mit der Freiheit nicht weit her ist. Man wird sehr beobachtet." Dirk Stermann, der als beliebter Moderator eine gewisse Unabhängigkeit genießt, spricht offen aus, was andere FM4-Mitarbeiter nur hinter vorgehaltener Hand sagen. Von einem "Maulkorberlass" ist da die Rede.

Gleich in der ersten Woche nach Sendebeginn wird der neue Jugendsender auf die Probe gestellt. Wie berichtet man über die Kundgebungen gegen die neue Regierung? Die Belegschaft von FM4 sympathisiert zum großen Teil mit den Demonstranten. "Das weiss auch unsere Chefin. Nach dem Mittwoch, an dem die Demonstrationen angefangen haben, hat sie klargemacht, dass es so nicht geht", erzählt ein Redakteur. Die Chefin, das ist Monika Eigensperger. Sie soll von massiven Interventionen von FPÖ-Politikern berichtet haben.

"Nichts davon stimmt", entgegnet Eigensperger. "Wir berichten objektiv im Sinne des Rundfunkgesetzes, und das von Anfang an." Sie wisse von keinen wie immer gearteten Interventionen. Es sei im ORF eben nicht üblich, Demonstrationen anzukündigen. "Wir lassen uns nicht von Organisatoren instrumentalisieren, die wollen, dass wir ihre Treffpunkte durchsagen."

Eine Beitragsmacherin zeigt Verständnis für die heikle Situation der Senderchefin: "Wir werden mit Argusaugen beobachtet. FPÖ und ÖVP waren schon immer auf die vierte Radiofrequenz des ORF aus." Eine Führungsetage weiter oben sieht man die Sache angeblich um einiges gelassener. Im Funkhaus wird ein Kommentar von ORF-Hörfunkchef Manfred Jochum kolportiert: "Solange ihr nicht zu Gewalt aufruft, geht das in Ordnung."


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