Fernsehen

Medien | ANDREA DUSL | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Der kleine Mann mit den dünnen Lippen hat die Präambel unterschrieben und er hat dabei fernsehgerecht gelächelt. Der kleine Mann mit den dünnen Lippen lächelt immer, wenn er Objektive erblickt. Ein Pokerface geht um die Welt. Ein freundliches, ein harmlos lächelndes, ein wohnzimmerreines Pokerface. Ein Lächeln, dessen Masche es ist, Fernsehern hier und im "Ausland" professionelles Krisenmanagement zu signalisieren. Seht her, will dieses Lächeln bedeuten, wir sind es, die harmlosen Österreicher. Vor uns braucht sich doch keiner zu fürchten. Unsere Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst, und gleich singen wir "die Reblaus". Es ist ein seltsam öffentliches Schauspiel, das Wolfgang Schüssels Kasperlregierung in sämtliche Fernsehgeräte der Welt katapultiert. Am Ballhausplatz stehen Reporter, deren Gesichter wir bisher nur von den Krisenherden der Welt kennen, aus deutschen Talkshows grinst uns das Zahnpastafeixen des Goiserers entgegen, und es ist vermutlich nur eine Frage von Terminen, dass der Ziehvater des österreichischen Rechtsextremismus bei "Wetten, dass ..." eingeladen wird.


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