Porträt aus großer Nähe

DOKUMENTARFILM Karin Berger schildert Ceija Stojkas Identität als Zigeunerin, Überlebende, Frau, Mutter, Künstlerin und zeigt so die Befindlichkeiten österreichischer Zigeuner der "Zweiten Generation".

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Sag, du bist Liliputanerin. Die Mutter hat ihr das eingetrichtert und ihr so das Leben gerettet in Auschwitz. Sie durfte arbeiten, dabei war sie nicht einmal zehn Jahre alt. Die Nummer von damals, schwarz eingebrannt auf ihrem linken Unterarm, ist noch heute deutlich sichtbar. Der wichtigste, alles entscheidende Satz des Films lautet: "Ich bin Ceija."

Wie jeder ernsthafte Dokumentarfilm rekonstruiert "Ceija Stojka" nicht, was gestern war. Karin Bergers Film spricht vor allem über heute. Er ist selbst Dokument, mithin Teil einer Geschichte des Erinnerns, der neuerdings aktuellen Politik des Vergessens entgegengesetzt. Zigeunersein anno 2000 in diesem Land heißt, beispielsweise, am Rande von Oberwart an einer Straße wohnen zu müssen, die erst kürzlich im Gedenken an einen SS-Arzt neu benannt wurde; es heißt aber auch, eine ebenso selbstverständliche wie selbstbewusste Feststellung zu machen. "Ich bin Ceija", zum Beispiel.

Ceija Stojka, heute 66, ist das Oberhaupt einer großen, musisch


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