Die Einsamkeit in Person

KABARETT Karl Ferdinand Kratzl ist seit einem Jahrzehnt das geheime Genie der Wiener Kabarettszene. Jetzt gibt es wieder einmal Gelegenheit, ihn zu entdecken.

WOLFGANG KRALICEK | Kultur | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Die Einsamkeit steht in ihrer Wiener Person auf der Bühne und möchte die Einwohnerschaft gerne mit etwas Lustigem erfreuen." Mit diesem schönen Satz fasste Roland Koberg vor etwas mehr als zehn Jahren im Falter ein sensationelles Ereignis zusammen, das sich im Kabarett Niedermair zugetragen hatte. Im Rahmen des Talenteabends "Sprungbrett" hatte ein nicht mehr ganz junger Mann sein Debüt gegeben, der in Kobergs Bericht etwas ungenau als "Karl Krätzl, Kabarettist" bezeichnet wurde. In einem Leserbrief stellte der Künstler daraufhin zwei Dinge richtig: Erstens heiße er Karl Ferdinand Kratzl, und zweitens wolle er nicht als "Kabarettist", sondern als "Stegreifschauspieler" bezeichnet werden.

Ein Mann schlurft in einem Lodenmantel verstört stierend durch den Zuschauerraum, während das Lied "Bist du einsam heut Nacht?" gespielt wird. Der Mann steigt auf die Bühne, dreht sich noch einmal in Richtung Publikum um - und geht wortlos ab. Mit dieser Nummer begann Kratzls legendärer "Sprungbrett"-Auftritt.

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