NEUE PLATTEN

Kultur | SEBASTIAN FASTHUBER Primal Scream: XTRMNTR Sony Auch eine so arrivierte britische Band wie Primal Scream verschließt sich nicht mehr vor trendigen Dance-Motiven.Doch kommen diese hier keineswegs glatt gebügelt daher, sondern in knallharten Beats mit punkigem Funk(adelic), avanciertem Rock und einigen Noise- und Free-Jazz-Splittern.Bei ihren raffinierten Arrangements lassen sich Primal Scream mal (naheliegenderweise) von den Chemical Brothers unterstützen ("Swastika Eyes" werden demnächst als Pop-Art-Thing in Clubs rotieren), mal legen Adrian Sherwood und David Holmes Hand an.Ein überraschend gut in die Zeit passendes Album: "Keep Your Dreams, Don't Sell Your Soul". WALTER PONTIS JAZZ Christian Muthspiel & Motley Mothertongue: Parts of a Shattered Love Story Lotus Christian Muthspiels acht Kompositionen funktionieren eigentlich tadellos - außer dort, wo es ihnen so ostentativ darauf ankommt.Es lockt das Grenzüberschreitende, Genresprengende, Stilamalgamierende - und es lockt ins Abseits.Dabei hätte der gar nicht so tumbe Jazzer an dieser Live-Einspielung mit Tentett eigentlich alles, was sein Herz begehrt: einen rhythmisch raffinierten und originell instrumentierten Groove, dem Schlagzeuger Alex Deutsch ganz uneitel undgeschmackssicher die Bahn bricht, sowie eine Menge ausgezeichneter Solisten - hervorgehoben seien nur Wolfgang Muthspiel (guit), Gerald Preinfalk (alt) oder Matthieu Michel mit milesartig gestopfter Trompete ("The End").Eigentlich wäre also alles bestens, hätte sich Muthspiel nicht dazu entschlossen, die zweisprachigen, z.T. ziemlich prätentiösen Texte auf zwei Idiome und die Sängerinnen DK Dyson (jazzgospelig) und Anna Hauf ("klassisch") zu verteilen, wobei dieAusflüge ins so genannte ernste Fach die Grenzen zur Selbstparodie mehr als einmal überschreiten. KLAUS NÜCHTERN NEUE MUSIK Iannis Xenakis: Rebonds and other Works for Percussion (Peter Sadlo) Koch Schwann / Koch Es gibt ja Gerüchte, nach denen "Triangelspieler" ein entspanntes Leben hätten.Ganz falsch - auch wenn sich der deutsche Schlagwerker Peter Sadlo auf dem Cover seiner Solo-CD im Dienstfrack, aber lässig Zigarre schmauchend präsentiert.Im Studio dürfte er mehr Stress gehabt haben.Auf der CD zeigt er die ganze Bandbreite seines Fachs anhand von Solo-Literatur aus dem 20.Jahrhundert, darunter Klassiker - wie Iannis Xenakis' hypnotische "Rebonds" oder Hans Werner Henzes klangverliebte "Five Scenes From the Snow Country" für Marimba -, aber auch neuere Werke.Christopher Deanes "Mourning Dove Sonnet" etwa lässt ein Vibraphon ungewohnt sphärisch klingen, Nicolaus A.Hubers "Clash Music" lässt verschiedene Becken eben nicht nur "clashen", und mit Wolfgang Reifeneders "Crossover" beweist Sadlo, dass sogar eine Snare-Drum "hochgradig wienerisch" (Spielanweisung) klingen kann. CARSTEN FASTNER | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

POP Fennesz, O'Rourke, Rehberg: The Magic Sound of FennO'Berg Mego/M.DOS Es ist den Notebook-Musikern Christian Fennesz und Peter Rehberg mittlerweile Brauch, sich mit ihrem Freund Jim O'Rourke zu Improvisationskonzerten zu treffen. Man verschanzt sich hinter Laptops und ein paar Bieren auf der Bühne und präsentiert neue Sounds. Dass es dabei nicht so ernst wie bei den jeweiligen Soloprojekten zugeht, macht schon die Publikumsbegrüßung per Computerstimme klar: "Are you ready to rock?" Danach hagelt es - neben den üblichen Störgeräuschen - alberne Samples von Stimmen, traditionellem Instrumentarium und Filmmusik mit ordentlich Pathos. "The Magic Sound of FennO'Berg" formuliert, was man im Hause Mego unter "a good laugh" versteht.


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