Comandantina Dusilova: O5

Kultur | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Nichts ist mehr, wie es war. Die Zweite Republik ist untergegangen. Menschenrechte müssen präambliert werden, weil es nicht genügt, dass sie in der Verfassung stehen. Ein Nationalratspräsident und Milliardär verspielt seine Ernennung zum Finanzminister, weil er sich nicht verbeten hat, dem Bundespräsidenten einen blutigen Kopf anzudrohen. Worte gelten viel und dann doch wieder nichts in diesen Tagen. Die Dorfposse um einen kleinen, bis zum Zerspringen ehrgeizigen DKT-Spieler hat sich zur Staatskrise ausgewachsen. "Die Welt ist globaler geworden", hat die mitunterzeichnende Politpopcobra erkannt. Und der Verfall der Worte repräsentiert dabei nur den Verfall der Werte. O5 ist ein kleines, für die Existenz der zweiten Republik lebenswichtiges Zeichen. O5 stand für den Österreichischen Widerstand in diesem Land. O5 und den Menschen, die in seinem Namen gegen die verbrecherische Nazidiktatur kämpften, verdankt Österreich das Wiedererlangen seiner Souveränität nach dem Zweiten Weltkrieg. Nicht der schönen Landschaft und nicht des guten Weines wegen durfte Leopold Figl "Österreich ist frei" verkünden. Dieser Widerstand ist wieder tätig. Das Anbringen des Symbols O5 wurde von der Polizei als Schmiererei und Sachbeschädigung bezeichnet.


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