State of the Demo-Art

DEMONSTRATIONEN Die Demonstrationen der vergangenen Tage haben die Kreativität der Informationsgesellschaft zu neuen Höhen getrieben. Mit E-Mails und SMS werden die Teilnehmer zusammengetrommelt. Ein Guide zur neuen Demonstrationskultur.

BERNHARD KNOLL und SIGRID NEUDECKER | Stadtleben | aus FALTER 06/00 vom 09.02.2000

Nora hat bereits rot gefrorene Ohren. In der Linken hält sie einen Kochlöffel, in der Rechten die Nestle-Keksdose, "noch von Weihnachten". Unter einer gelben Regenhaut trägt die 16-Jährige Timberland, die rot blinkende Fahrradleuchte hat sie um den Hals geschnallt. Im Bodybag steckt eine Thermoskanne Tee - schließlich kann das noch eine lange Nacht werden. "Bis es Neuwahlen gibt", will Nora auf die Straße gehen.

Noras Freundin Michaela hält ihr weißes Transparent "Widerstand - Weg mit FPÖ & ÖVP!" in die Nacht. Entstanden ist es in professioneller Teamarbeit: "Die Parole haben wir zunächst auf einer Folie ausgedruckt, dann mit dem Overhead auf das Leintuch projiziert und schließlich nachgezeichnet", erklärt Michaela, "alles in der heutigen Freistunde." Wegen des Sturms hat sie aschenbechergroße Löcher in das Transparent geschnitten - "damit wir es aufrecht halten können".

"Politischer Protest verlangt Einsatz", findet auch Philipp, 19, der sich in der "Sozialistischen Linkspartei",

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