Neue Chance

Inland. Warum man keine Angst vor Neuwahlen haben und das Programm der Regierung lesen sollte

Vorwort | Rainer Bauböck | aus FALTER 07/00 vom 16.02.2000

Der 4. Februar 2000 war kein Glückstag für Österreich. Aber eines hat er bewirkt: die hierzulande ziemlich neuartige Einsicht, dass die Verantwortung für dieses Land nicht jenen überlassen werden darf, die es regieren. Das historische Versagen der Bremsvorrichtungen der österreichischen Demokratie hat eine Beschleunigung des gesellschaftlichen Reifungsprozesses ausgelöst. Die österreichische Definition einer Krise war bisher stets eine Lage, die hoffnungslos ist, aber nicht ernst. Diesmal ist es umgekehrt. Die E-Mail-Botschaften mit den täglichen Aufrufen zu Demonstrationen, die Debatten in den Straßenbahnen und sogar jene in den Kommentarseiten der Tagespresse: Sie sind geprägt von einem ganz unösterreichischen Ernst, der ein wenig Hoffnung macht.

Der Gewinn an Verantwortungsgefühl bedeutet allerdings einen Verlust nationaler Identität: Über diese Regierung lässt sich nicht mehr raunzen, man muss zu ihr Stellung beziehen. Damit geht tatsächlich ein Stück Nationalcharakter


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige