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Politik | Florian Klenk | aus FALTER 07/00 vom 16.02.2000

VolkszornSamstag, 5. Februar. 00.30 Uhr. In einem Wohnhaus im zweiten Bezirk werden mit einer Schusswaffe mehrere Schüsse gegen eine Wohnung abgegeben. Fotos zeigen eingeschossene Fenster. Auf der Hausmauer sieht man noch ein abgeschrubbtes Hakenkreuz, das vor zwei Wochen hingesprayt wurde. In dem Wohnhaus lebt Herr X. Er ist orthodoxer Jude ungarischer Herkunft. Er und seine Familie sind die einzigen Juden, die in dem Haus leben. Herr X. erstattet Anzeige bei der Polizei. Nach wenigen Tagen erkundigt er sich am Kommissariat Leopoldsgasse. "Wir wissen nix. Wenn ma was wissen, werden wir es sagen", antwortet der Beamte.

* Samstag, 5. Februar. Die Studentin Heike V. steht während einer Demonstration am Straßenrand. Sie arbeitet manchmal als Fotomodell und sieht, so ihr Freund, "wirklich absolut friedlich aus". Ein 60-jähriger Mann steht am Gehsteig und hebt seine Hand. "Nicht schon wieder, halt dich doch zurück", bittet seine Frau. "Ihr seid alle bezahlte Studenten", schreit der Mann. Er schlägt dem Mädchen mit der Faust voll ins Gesicht. So fest, dass die Studentin einen Riss im Schädelknochen und eine Gehirnerschütterung erleidet. Am Abend wird FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler sinngemäß verkünden, dass bei den gewalttätigen Demos sogar eine unschuldige Frau verletzt wurde.

* Mittwoch, 9. Februar. Ottakring. Vier Personen suchen nach dem Demonstrationszug. Ein Auto hält. Der Fahrer, ein Mann mit Baseballschläger, wird um Auskunft gebeten. "He, du schwule Sau", sagt er, "komm her, dann schlag ich dir die Zähne ein."


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