MORAK - EIN GEDICHT: Das Leben ein Alptraum?

Kultur | WILHELM PEVNY | aus FALTER 07/00 vom 16.02.2000

Das Leben erscheint mir manchmal als Alptraum.

Franz Morak, der gestern noch nackt mit der Schmidinger auf der Bühne des Volkstheaters zu den verzerrten Klängen der amerikanischen Hymne von Jimi Hendrix sich wälzte, hockt heute neben dem Kanzler auf der blau-schwarzen Regierungsbank.

Naja, könnte man sagen.

Ist halt ein tolles Land, macht halt jeder Karriere.

Gut. Ja, vielleicht.

Oder doch nein. Nicht gut.

Das Alptraumartige ist nicht die Karriere, das Alptraumartige ist, dass ich Franz Morak als junges, beinahe ausgedörrtes Bürschlein inmitten der Langhaarigen - er selbst auch - stehen sehe, und heute sitzt er auf der Regierungsbank.

Na und, könnte man sagen.

Es verändert sich eben sehr viel im Leben.

Unbegreifliches geschieht, und das gehört eben dazu.

Ja, vielleicht, vielleicht ist das so.

Aber ich, ich kann es nicht verstehen, ich kann es nicht empfinden, es ist so, als würde ein Marsmensch neben mir landen.

Meine Verblüffung, mein Realitätsschock wäre ähnlich.

Wilhelm Pevny ist Schriftsteller und lebt in Wien.


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