SPIELPLAN

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 07/00 vom 16.02.2000

Auf der Suche nach neuen Autoren ist das Volkstheater beim 34-jährigen Grazer Robert Wolf gelandet. Das Stück, das nun am plafond uraufgeführt wurde, heißt "Kopfäktschn" und ist eines jener Dramen, wie sie nur im deutschsprachigen Raum geschrieben werden. Die Sprache ist "avanciert", aber nicht witzig; die Situation ist "grotesk", aber nicht bühnenwirksam. Ein Mann hat sich einer "Ganzkörperamputation" unterzogen, steckt nun als Kopf ohne Körper (mimisch sehr präsent: Günter Franzmeier) wie eine Beckett-Figur in einer Kiste und stellt fest, dass die Operation vielleicht doch keine so gute Idee war. Aber darum geht es vermutlich gar nicht: Hauptfigur ist ein verrückter Wissenschaftler (schön durchgeknallt: Christoph Zadra), der ständig von Hunden redet und sich schließlich selbst in einen solchen verwandelt. Vermutlich handelt es sich also um eine Parabel: Die Welt ist auf den Hund gekommen. Das Theater folgt bei Fuß.

Auf noch bestialischere Weise werden die Besucher im dietheater Künstlerhaus vom Aktionstheater Ensemble auf die Folter gespannt: 100 Minuten lang ist von Pointen die Rede, ohne dass es etwas zu lachen gibt. In seiner Komödie "Sitcom. Sie wünschen, wir spielen." will der Schweizer Erik Jan Rippmann den alltäglichen TV-Wahnsinn mit dessen eigenen Mitteln entlarven - was deshalb misslingt, weil es da wenig zu entlarven gibt. Aber darum geht es vermutlich gar nicht: "Diese ,Sitcom' ist eine Parabel auf unsere Gesellschaft im Allgemeinen", schreibt Regisseur Martin Gruber im Programmheft. "Eine böse Groteske, hinter der sich eine Tragödie verstecken soll." Bis zur Premiere scheint er sie jedenfalls nicht gefunden zu haben.


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