NEUE PLATTEN

Kultur | Walter Pontis Carsten Fastner Ist doch prima, wenn sich Musiker auch sprachlich ausdrücken können."Ein Trauermarsch muss viel zu langsam gespielt werden und ein wenig falsch klingen, dann verfehlt er seine Wirkung bestimmt nicht."Besser kann man gar nicht sagen, was auf der neuen Doppel-CD von Franui zu hören ist.Die Osttiroler Blaskapelle (verstärkt um den Posaunisten Bertl Mütter) hat sich "Musik für Totengräber" zur Bearbeitung vorgenommen - einschlägige Klassiker wie Schuberts "Winterreise" und Chopins "Marche funebre" genauso wie entsprechendeVolkslieder - und für deren Wirkung gesorgt.Fazit: "Der Tod war immer schon lustiger, als man es wahrhaben wollte und trauriger, als man es zuließ."Live im RadioKulturhaus am 21.2., 19.30 Uhr. JAZZ Kurt Elling: Live in Chicago Blue Note / EMI Klaus Nüchtern Nichts gegen Bryan Ferry, aber man kann "My Foolish Heart" schon auch anders interpretieren.Man kann z.B. singen können.Muss nicht sein, kann stören, kann aber auch ein Vorteil sein.Wie im Falle von Kurt Elling, der sein viertes Album für Blue Note live im Green Mill in Chicago aufgenommen hat, wodurch wir Zeugen eines Abends werden, der mit einer pointierten Scat-Version von "Downtown" so zündend beginnt, dass man Angst hat, ob der 31-jährige Sänger die Spannung wird halten können.Und ob!Er kann es sich sogar leisten, bei "My Foolish Heart" das Tempo völlig rauszunehmen und seine fantastische Begleitband passagenweise auf eine einzelne Klaviertaste zu beschränken; er kann Sting covern, ohne dass es peinlich wird; er darf AltmeisterJon Hendricks zu einem gemeinsamen Auftritt auf die Bühne bitten.Kurzum, Ellings sexy angeknackster Bariton meistert Balladen ebenso souverän wie halsbrecherischen, gleichsam mit vollem Körpereinsatz vorgetragenen Scat. | aus FALTER 07/00 vom 16.02.2000

ROCK/POP Chris 4er Peterka: Weil der Mensch ein Mensch ist 4erRecords / Austro Mechana Ein Relikt der hiesigen Club-Landschaft stellt seine Sammlung von historischen Arbeiterliedern in spartanischer Instrumentierung vor. Peterkas Gitarrenbegleitung wird von singenden Genossinnen und dem Akkordeonspieler Billy Wotawa unterstützt. Ohne die prähistorische linke Liedermacherei grundsätzlich infrage stellen zu wollen, kommt bei den sanftmütig vorgetragenen Liedern doch eine besondere Art von Skihüttengeselligkeit auf. Im direkten Vergleich vom "Jalava-Lied" oder den "Vier noblen Generälen" mit den Versionen der Schmetterlinge könnte man deren Interpretationen glatt eine gewisse Punk-Affinität unterstellen. Und die Ästhetik linker Musikerkollegen wie Billy Bragg sind für manche Musiker der (ehemaligen) Insel der Seligen auch heute noch ein rotes Tuch. Peterka orientiert sich nach wie vor lieber an Vico Torriani.

LOKAL/GLOBAL Franui und Bertl Mütter: Frische Ware Arbe 7 / Hoanzl


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