Schuld und Sühne

FILM Ein Film wie Schwermetall: "Pola X" von Leos Carax ist ein düsteres Königsdrama und einer der beeindruckendsten Neustarts dieses Jahres.

Kultur | ISABELLA REICHER | aus FALTER 07/00 vom 16.02.2000

Ein weißer Ritter auf seinem Motorrad. Unterwegs zu seiner zarten blonden Braut. Es waren zwei Königskinder, der Hochzeitstermin festgesetzt und die Welt eine leuchtende Spätsommerlandschaft. Aber: "Die Zeit ist aus den Fugen." Das Zitat zu Beginn ist eine Prophezeiung. Eine Fremde (Katerina Golubeva) taucht auf im Leben von Pierre (Guillaume Depardieu). Sie kommt aus der Vergangenheit und schreibt die Vergangenheit um, trennt Mutter (Catherine Deneuve) und Sohn, Braut (Delphine Chuillot) und Bräutigam. Eine Verwandlung beginnt, ein Abstieg, der - vielleicht - ein Traum ist. Ein extrem verdichtetes Schichtwerk aus rastlosen Bildern.

"Pola X" von Leos Carax ("Les amants du Pont-Neuf") ist ein fahriger, nervöser Film. Nelly Quettiers Montage ist irritierend, Bilder werden mit leichten Brüchen verknüpft, Sequenzen wirken so, als wären sie Gedankengängen, Gedankensprüngen nachempfunden: Pierre ist noch nicht ganz aus dem Haus getreten, und schon schlägt die Tür des wartenden Taxis


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