Mutterfleisch und Melasse

LITERATUR Bachmann-Preisträgerin Terezia Mora überzeugt mit ihrem Erzählband "Seltsame Materie".

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 07/00 vom 16.02.2000

Mit ihrer Erzählung "Der Fall Ophelia" hat sich die 1971 in Sopron geborene und heute in Berlin lebende Terezia Mora den Ingeborg-Bachmann-Preis erlesen. Die unprätentiöse und doch poetische Geschichte erzählt von einem Mädchen, das sich gegen seine dörfliche Außenseiterexistenz - ihrer Sprache wegen werden sie und ihre Angehörigen wahlweise als Faschisten oder Kommunisten beschimpft - wappnet, indem es sie zugleich bekräftigt: Unter der Anleitung eines biertrinkenden Schwimmlehrers trainiert sie ihren fragilen Körper im Kaltwasserbecken; der Rest des Dorfes hockt im dampfenden Heilwasser: "Das Wasser ist gut, gut wie Hühnersuppe. Es hat die Farbe davon und den Geschmack."

"Der Fall Ophelia" ist eine von insgesamt elf Erzählungen, die in dem Band "Seltsame Materie" versammelt sind und über eine Reihe von Gemeinsamkeiten verfügen: Alle sind in der ersten Person Einzahl (in den meisten Fällen ein Mädchen oder eine junge Frau) erzählt; alle spielen in derselben Gegend, in der


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