Im neuen Österreich

SZENENBESCHREIBUNG. Wie reden die Leute in einem Land, das kein Naziland ist?

Vorwort | Antonio Fian | aus FALTER 08/00 vom 23.02.2000

Darin uneins mit vielen meiner Schriftstellerkolleginnen und -kollegen, habe ich die Zweite Republik Österreich nie für ein Naziland gehalten. Zwar ist der Gedanke verführerisch, immer wieder hat man ja, insbesondere in Kärnten, wo ich aufgewachsen bin, Erlebnisse, die ihn nahe legen. Ich kann berichten und nehme zu Zeugen nicht, wie dereinst Ingeborg Bachmann, "all die Fichten, die Häher und das beredte Laub", sondern, zeitgemäß den Kunstschnee auf der Kaiserburg und den Abschnitt "Galgenbichel" der Tauernautobahn, dass 1989 in einem Klagenfurter Wirtshaus Mitglieder eines Gesangsvereins nach der Chorprobe, schnapsbefeuert weitersingend, dem schönen "Is wohl still uman See" übergangslos das Horst-Wessel-Lied folgen ließen oder dass mir ein alter Bekannter, erzogen im Geiste eines elitären Deutschnationalismus, als Dreizehnjähriger wie als Mittvierziger hinter vorgehaltener Hand ein und denselben Witz erzählte: Was ist der Unterschied zwischen einem dicken und einem dünnen


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige