STANDPUNKT: Westenthaler-Line

Politik | aus FALTER 08/00 vom 23.02.2000

Margit Czöppan war das Ganze sichtlich peinlich. Alle paar Minuten trudelte ein E-Mail auf dem Laptop der "Zur Sache"-Moderatorin ein, von ihrem Vorgesetztenvermutlich mit dem Zusatz "unbedingt vorlesen" versehen. Czöppan blieb die demütigende Aufgabe, die jeweiligen Kommentare der Herren Peter Westenthaler (FPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) zum Sendeverlauf zu verlautbaren. Wenn man so die Hosen voll hat, wie manche ORF-Verantwortliche, braucht man sich nicht zu wundern, dass die Begehrlichkeiten vor allem des blauen Chefintervenierers immer dreister und unverschämter werden. WestenthalersVision einer Nachrichtensendung, in der alle Parteien täglich unkommentiert ihren Sermon ablassen dürfen, wird offenbar schneller Realität, als sich das ihr Erfinder erträumt hatte. Die Idee ist durchaus ausbaufähig. Überforderte Moderatoren etwa könnten dank technischer Innovationen - vielleicht lassen sich Kooperationen mit Handy-Anbietern schließen - entlastet werden. Am besten mit einer Infoline, dieim Brody-Design bei allen ORF-Sendungen ständig am unteren Rand des Bildschirmes mitläuft (speed kills!) und über die neuesten Ergüsse aus den Parteizentralen informiert: +++ Westen-thaler sagt: Die FPÖ ist gar nicht böse +++ Khol sagt: Wir sind für die Familien +++ G. J.


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