Hauptsache, wir sehen uns

REPORTAGE. "Ich bin ein bisserl bös auf deinen Vater", sagt Leon Zelman. "Ja, ja, ich auch", antwortet Andrea Khol. Begegnung zweier Demonstranten.

Politik | Florian Klenk und Nina Weissensteiner | aus FALTER 08/00 vom 23.02.2000

Am Stephansplatz, da ist der Leon. "Das wissen die Juden, die nach Wien kommen", sagt Leon Zelman. Am Stephansplatz hat der Leiter des Jewish Welcome Service sein Büro. Das Fenster gibt den Blick frei auf den Steffl und auf die Wiener, die unten flanieren. Auf das, was Leon Zelman die "Seele der Stadt" nennt. Am ersten Oktober, sagt er, "hat der Stephansplatz seine Unschuld verloren". Da war er zum Bersten voll, weil die FPÖ eine Abschlusskundgebung gegeben hatte. Der Wiener FPÖ-Obmann Hilmar Kabas hatte gesprochen. Dann Thomas Prinzhorn und Jörg Haider.

Oben, in seinem Büro, hatte Leon Zelman gerade Besuch. Eine Journalistin aus Schottland hörte das Geschrei und wollte hinuntergehen. "In Sorge um diese Frau" ist Zelman mitgegangen. "Wie einen Magneten" hat es ihn hinuntergezogen. "Ich habe", sagt Zelman, der als Bub das jüdische Ghetto, die Vernichtungslager Auschwitz und Mauthausen überlebt hatte, "plötzlich wieder das widerliche Gesicht dieser Stadt erlebt." Wie es sich verzerrte,


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